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1. Januar 2000 / PolarNEWS

Konvention Bodenschätze

Konvention über die Bodenschätze der Antarktis signiert:
Am 2.6.1988 wurde in der neuseeländischen Hauptstadt Wellington nach sechsjährigen Beratungen die erste „Konvention zur Erkundung und Ausbeutung der in der Antarktis vennuteten Bodenschätze“ von den 33 in der Antarktis vertretenen Ländern unterzeichnet . Die Konvention schliesst eine wesentliche Lücke im bestehenden Antarktisvertragssystem und baut damit möglichen Konflikten vor. Nach der Vereinbarung müssen alle Vorhaben, die die Erkundung und Ausbeutung von Bodenschätzen in der Antarktis betreffen, von einer gemeinsamen Kommission genehmigt werden.

Diese prüft die Umweltverträglichkeit vor jeder Erkundung und vor jeder bergbaulichen Massnahme. Sie führt ständige Inspektionen durch, wo die konkreten Massnahmen zum Schutze der Umwelt überprüft werden. In der Konvention sind ungewöhnlich strenge Haftungsbestimmungen für den Fall der Schadensverursachung enthalten. Erstmals werden nicht nur die Firmen, sondern auch deren Staaten zur Ersatzpflicht und Beseitigung der Schäden angehalten. Die Konvention legt eine Prozedur fest, wie Streitfälle und Ausschlussgründe , die zum Verbot oder Abbruch einer Prospektion und Exploration führen, beizulegen sind. Das Abkommen tritt in Kraft, wenn es von mindestens 16 der 33 Vertragsstaaten ratifiziert worden ist. Vom 25.11.1988 an kann dieser Konvention beigetreten werden.

Zu Beginn etwas Geschichte: Vor 200 Jahren vertrat James Cook die Meinung, wenn der Südkontinent einmal entdeckt werden sollte, dann wird es ein Land ohne Zukunft sein, das der Welt keinen Nutzen bringe. 1960 erklärte der Amerikaner Dr.Laurence Hold, Teilnehmer der 1.Byrd-Antarktisexpedition 1928-30, er „gäbe keinen roten Heller für alle mineralischen Rohstoffe der Antarktis“. David Elliot ,Direktor des Institutes für Polarforschung der Universität Ohio, sagte sarkastisch : „Nur ein Verrückter wird im Antarktiseis eine Bohrung niederbringen !“ Der weltbekannte Meeresforscher Jacques Yves Cousteau verurteilte die Absicht, Bodenschätze in der Antarktis zu fördern. Dieses Vorhaben würde unweigerlich zur Verschmutzung des sechsten Kontinentes führen, seine Flora und Fauna schädigen und das Eis zum Schmelzen bringen. Er schlägt vor, den „weissen Kontinent“ zu einem internationa1en Naturschutzgebiet zu erklären.

Obwohl die am Antarktisvertrag beteiligten Länder die ganze Zeit das freiwillige Moratorium für die Förderung von Bodenschätzen in der Antarktis einhielten, blieben deren Geologen in der Antarktis nicht untätig. Mit Seismographen ausgerüstete Forschungsschiffe durchkreuzten die antarktischen Meere auf der Suche nach den Spuren dessen, was als letzte gigantische Erdöllagerstätte auf der Welt gilt. Ober das Eis Antarktikas fliegen Forschungsflugzeuge , um magnetometrische Aufnahmen zu machen. Viele spezielle geologische Expeditionen fanden auf dem Südkontinent statt. Welche geologischen Forschungsergebnisse liegen nun heute vor ? Nach Schätzungen der Geologen müssen sich auf dem antarktischem Festland etwa 900 bedeutende Erzlagerstätten befinden. Die grössten befinden sich in den Prince Charles Mountains und auf dem Mc Robertson Land. Dort gibt es im Wechsel mit Felsgestein Erzadern mit einer Dicke bis zu 70 Metern. Auf der Antarktischen Halbinsel wurde Kupfer und auf King George Island im Überfluss Eisensulfid, Molybdän und Kupfer erkundet. Nach Angaben britischer Geologen birgt Antarktika die grössten Kohlelagerstätten der Erde. Die Erdölvorräte werden unterschiedlich geschätzt. Das gut informierte „Wall Street Journal“ berichtete, dass sich unter dem Küstenkontinentalschelf der Antarktis Erdöllagerstätten befinden, die die der Nordsee um ein Vielfaches übertreffen. Im Adélieland, auf dem Transantarktischen Gebirge und im Enderbyland ist ein anormaler Grad von Radioaktivität zu verzeichnen, der mit Uran-und Thorium-Lagerstätten zusammenhängt.

p-log976Es ist keine leichte Aufgabe, den möglichen Beginn des Abbaues mineralischer Ressourcen in der Antarktis zu regeln. Allein die Existenz der erwähnten Konvention kann zur Aushöhlung des Antarktisvertrages führen, der im Jahre 1991 revidiert wird. Wie wird sich die ökologische Lage der Antarktis verändern, wenn hier Bohrplattformen, Bergwerke, Kraftwerke und schwere Transportmittel auftauchen ? Wie lässt sich der ökologisch verwundbarste Kontinent der Erde vor irreversiblen Schaden bewahren ? Fortschrittliche Politiker einer Reihe von Ländern sind der Meinung, bei der Diskussion des neuen langfristigen Antarktisvertrages müsse vorgesehen werden, in der Antarktis nicht nur militärische, sondern auch industrielle Aktivitäten kategorisch zu verbieten. Solange die Menschheit ohne die mineralischen Ressourcen der Antarktis auskommt, sollte der südlichste Kontinent vor jeder unkontrollierten Tätigkeit von Ländern und privaten Gesellschaften geschützt werden.

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