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30. März 2012 / PolarNEWS

– 2012 – 03 Heliabsturz, Algenteppich, Absturz Wettersatellit

05.03.2012 [-x, DE] Absturz in der Antarktis

Zwei deutsche Hubschrauber sind in der Antarktis verunglückt. An Bord befanden sich Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI). Der Vorfall ereignete sich Mitte Dezember unweit der Neumayer-Polarstation, jetzt liegt ein Bericht zum Unfallhergang vor. Die beiden Eurocopter gerieten in einen Schneeschauer, der sie zur Notlandung zwang. Die Piloten verloren die Orientierung, weil in dem hellen, diffusen Licht („Whiteout“) jegliche Kontraste fehlen. Ein Hubschrauber setzte hart auf dem Schelfeis der Atkabucht auf. Der zweite berührte kurz darauf in einer Rechtskurve mit seinen Rotorblättern den Eisboden und stürzte auf die Seite. Der Pilot und ein Passagier zogen sich Schrammen zu, beide Maschinen sind Schrott. „Wir waren alle sehr erschrocken, wie schnell sich das Wetter verschlechtert hat“, sagt der Leiter der AWI-Logistik, Uwe Nixdorf. Die Hubschrauber hatten Forscher zu Bohrungen auf dem Schelfeis transportiert. Der Wetterbericht sagte „starke bis geschlossene Schichtbewölkung“ mit schauerartigem Schneefall und mögliches „lokal whiteout“ vorher, wie es der vorläufige Bericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung vermerkt. Schon 2008 war es an der Polarstation zu einem Absturz mit zwei Toten gekommen. Auch ein Forschungsflugzeug wurde vor einigen Jahren bei der Landung irreparabel beschädigt.

06.03.2012 [-c] Riesiger Algenteppich treibt vor Antarktis

Ein Satellitenbild sorgt für Erstaunen bei Wissenschaftlern: Vor der Antarktis schwappt ein Algenteppich so gross wie Hessen. Ursache der Blüte könnten tauende Eisberge sein. Jetzt erwarten Forscher ein Fressgelage im Meer.
Wissenschaftler haben eine riesige Algenblüte in der Antarktis entdeckt. „Kleinere Blüten haben wir schon gesehen, aber noch nie eine so grosse in dieser Region“, sagte der deutsche Forscher Jan Lieser von der Universität Tasmanien in Australien. Der bräunlich-grüne Teppich sei deutlich aus dem All zu sehen.
Die Algenblüte habe ein Ausmass von etwa 100 mal 200 Kilometer, also in etwa die Ausdehnung des Bundeslandes Hessen. Er habe sie auf Aufnahmen eines Satelliten der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa entdeckt, berichtete der gebürtige Berliner.
„Wir erwarten, dass da unten jetzt ein riesengrosses Fressgelage losgeht“, sagte der Meteorologe und Marineglaziologe Lieser. Die Lebewesen in dieser antarktischen Region – von Krill bis zu den Walen – könnten sich jetzt mit den Algen den Magen vollschlagen. Weltweit stehen kleine Algen am Beginn vieler Nahrungsketten.
Algen gegen Treibhausgase?
Nach Angaben des Wissenschaftlers gibt es vermutlich mehrere Ursachen für das Phänomen. „Schnee könnte mit dem Wind Staubkrümel und darin enthaltenes Eisen in die Antarktis getrieben und somit das Algenwachstum gefördert haben.“ Wahrscheinlich habe auch schmelzendes Eis Staub und Dreck enthalten und jetzt freigesetzt. In Eisbergen gelangen oftmals grosse Mengen Algendünger ins Meer.
Weil Algen das Treibhausgas Kohlendioxid binden, gab es bereits Versuche, mit Eisen künstliche Eisenblüten zu erzeugen. Die Algen – so die Hoffnung – würden nach ihrem Tod am Meeresboden bleiben und die Treibhausgase mithin der Luft entzogen sein. Von Schiffen aus kippten Wissenschaftler deshalb Eisen ins Meer. Doch die Methode erwies sich als unbefriedigend: Es blühen zwar grosse Algenteppiche. Doch nach ihrem Tod setzen sie die Treibhausgase offenbar grossteils wieder frei.
Nun nehmen Wissenschaftler Proben des aktuellen Algenteppichs, sie wollen die Algen bestimmen. „Wahrscheinlich handelt es sich um Phaeocystis“, sagte Lieser. Sie kommt in allen Meeren vor. Die Algenblüte sei erstmals am 20. Februar entdeckt worden und werde vermutlich noch zwei Wochen erhalten bleiben.

07.03.2012 [-i]Jeder Besucher schleppt im Schnitt zehn Samen ein

Wissenschaftler und Touristen wollen in der Antarktis nur forschen oder einmalige Ferien erleben – doch sie haben eine gefährliche Fracht im Gepäck.
ouristen und Wissenschaftler gefährden jedoch oft unbemerkt die einmalige Polarregion. Viele haben sie eine gefährliche Fracht im Gepäck: Samen von Pflanzen aus anderen Regionen der Welt.
Diese können sich unter günstigen Umständen auf dem antarktischen Kontinent ansiedeln und das empfindliche natürliche Gleichgewicht durcheinanderbringen, warnt ein internationales Forscherteam in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften. Und durch den Klimawandel nimmt die Gefahr, dass sich fremde Arten dort ausbreiten noch zu, schreiben die Wissenschaftler. In einem Gebiet hat sich bereits das Einjährige Rispengras angesiedelt.
Steven Chown von der Stellenbosch University (Matieland/Südafrika) und seine Mitarbeiter hatten im antarktischen Sommer 2007/2008 ermittelt, wie viele Pflanzensamen den Besuchern an Bekleidung, Taschen oder Schuhen hafteten. Bei den Besuchern handelte es sich zum einen um Touristen oder mit der Tourismusbranche verbandeltes Personal, zum anderen um Wissenschaftler und deren Helfer.
Mehr als 3000 Touristen und gut 7000 Wissenschaftler hatten in dem Zeitraum die Antarktis besucht. Trotz ihrer geringeren Zahl schleppten die Forscher mehr Samen ein als die Touristen. Im Schnitt brachte jeder Besucher knapp zehn Pflanzensamen mit.
Die Forscher um Chown identifizierten die Pflanzenarten: bis zu 61 Prozent der Samen, die auf den antarktischen Kontinent gelangen, stammten aus kühleren Klimazonen. Dort kommen Gewächse vor, die auch in der Antarktis überleben könnten. Dementsprechend zeigte eine Befragung der Besucher, dass mehr als die Hälfte von ihnen im zurückliegenden Jahr in anderen kühleren Regionen gewesen waren – zum Beispiel in den Alpen.
Auf der westantarktischen Halbinsel sowie auf den davor liegenden Inseln sei das Risiko derzeit am grössten, dass sich gebietsfremde Arten ansiedeln, berichten die Wissenschaftler weiter. In den meisten anderen eisfreien Regionen sei das Ausbreitungsrisiko derzeit gering, mit Ausnahme einiger Regionen des westlichen Rossmeeres sowie einiger versprengter Gebiete im Osten der Antarktis.
Die Ergebnisse ihre Studie würden durch kürzliche Funde invasiver Arten untermauert, schreiben die Forscher. So würde sich zum Beispiel das Einjährige Rispengras (Poa annua) auf der König-Georg-Insel von der Arctowski-Forschungsstation zu entlegeneren Gebieten ausbreiten. Auch in anderen Regionen in den westlichen Rändern der Halbinsel sei das Rispengras gefunden worden – also genau dort, wo der Studie zufolge ein besonders hohes Ausbreitungsrisiko besteht.
Schliesslich wagten die Forscher einen Blick in die Zukunft. Sie nutzten Daten des Weltklimarates IPCC um herauszufinden, wie sich die erwarteten Klimaveränderungen auf das Ausbreitungsrisiko im Jahr 2100 auswirken. Das Ergebnis: Der Klimawandel wird die Situation vermutlich verschärfen. Durch die Erwärmung werde es zum Beispiel mehr wärmere Tage geben, an denen die Pflanzen wachsen und sich vermehren können. Zudem würden durch den Rückzug der Gletscher Landmassen frei, die besiedelt werden können.
Ihre Untersuchung liefere die notwendigen Grundlagen, um in Zukunft das Risiko der Verbreitung gebietsfremder Arten zu minimieren, schreiben die Forscher. Sie zeige zum Beispiel, welche Besuchergruppen besonders streng kontrolliert werden müssten und in welchen Regionen der Antarktis grössere Vorsicht geboten ist.

27.03.2012 : [-t, RU] Erster Wettersatellit aus Sowjetzeit über Antarktis abgestürzt

Der erste sowjetische Wettersatellit „Meteor 1-1“ ist am 27.3.2012 über dem Königin-Maud-Land in der Antarktis abgestürzt.
Nach Angaben des Hauptzentrums für Weltraumerkundung der Militär- und Weltraumtruppen war ‚Meteor 1-1’ am Dienstag um 02:17 Uhr Moskauer Zeit (Montag, 23:17 Uhr MEZ) in die dichteren Schichten der Erdatmosphäre eingetreten.
Laut dem Sprecher sind die Satellitentrümmer bei 80,9 Grad südlicher Breite und 5,63 Grad westlicher Länge niedergefallen.

Der weltweit erste vollwertige Wettersatellit mit einer Masse von 1,2 Tonnen war am 26. März 1969 vom Raumbahnhof Plessezk gestartet worden und etwas mehr als ein Jahr im Einsatz gewesen. Laut NASA-Angaben wurden im Juli 1970 die Videosendungen bzw. die Datenübermittlung von dem Satelliten abgebrochen.
„Meteor 1-1“ hatte nach dem Start eine 650 Kilometer hohe Kreisumlaufbahn erreicht. Im Sommer 2011 befand sich der Satellit in etwa 400 Kilometer Höhe und stieg im März 2012 vor seinem Niedergang zunächst auf 250 Meter herab.

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