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1. Januar 2000 / PolarNEWS

Airdrop Macquarie Island

Im März 1947 führte die Königliche Australische Luftwaffe (RAAF) 3 Aufklärungsflüge über der Insel durch, und zwar am 12. und 14.3. durch 2 viermotorige Bomber des Typs Consolidated B-24J „Liberator“ und am 15.3. durch einen „Lincoln“-Bomber. Die Besatzungen sammelten meteorologische Daten und fertigten 250 Luftbilder der Inselgruppe an, die einer künftigen Expedition zugute kommen sollten. Im Mai 1947 wurde ein Antarktisches Planungskomitee gebildet, dem Mawson sowie Vertreter der Streitkräfte und des Rats für wissenschaftliche und industrielle Forschung (CSIR) angehörten. Es sollte die Expedition vorbereiten, zu deren Leiter S.Campbell, Pilot der BANZAR Expedition (1929-31) Mawsons, ernannt wurde; zum Kapitän des Expeditionsschirfes „Wyatt Earp“ – es diente zuvor u.a. L.Ellsworth bei seinen Flugexpeditionen in der Antarktis – wurde K.E.Oom oestimmt. Am 16.8.47 rief die australische Regierung dann die Nationale Australische Antarktische Forscnungsexpedition (ANARE) ins Leben, die noch heute besteht und am 4.5.48 der „Antarctic Division“ unterstellt wurde, einem staatlichen Verwaltungsorgan, das zunächst dem Aussenministerium angegliedert war, nun aber zum Ministerium für Wissenschaft und Technik gehört und seinen Sitz in Kingston (Tasmanien) hat; zugleich beschloss das Kabinett, auf Macquarie und Heard Island ständige Forschungsbasen einzurichten.
Am 7.3.48 war es soweit: Nicht, wie ursprünglich geplant, die „Wyatt Earp“ – sie erwies sich als zuwenig seetüchtig und erreichte die Insel erst am 20.3. -, sondern der robuste Truppentransporter L.S.T. 3501 (HMAS „Labuan“) setzte die 13-köpfige Besatzung unter A.R.Martin auf Macquarie Island ab; am selben Tag nahm auch das „Postamt“ seine Tätigkeit auf.

Die Ablösung sollte üblicherweise ein Jahr später erfolgen, doch am 4.7.48 kam es zu einem folgenschweren Zwischenfall: Der Dieselmechaniker C.A.Scoble verunglückte tödlich – Ersatz für dieses wichtige, für die Energieversorgung zuständige Basismitglied war dringend geboten. Die „Antarctic Division“ beschloss, den neuen Mechaniker T.F. Keating einzufliegen, womit die RAAF-Staffel Nr.11 in Point Cook (Victoria) beauftragt wurde. Von Hobart (Tasmanien) aus sollte ein Amphibienflugzeug des Typs „Catalina“ den „Operation Sindbad“ genannten Notflug durchführen, für den Angehörige der Stationsbesatzung und Philatelisten kurzfristig Post aufliefern durften. Nachdem der erste Anflug am 24.7. wegen Instrumentenausfall gescheitert war, gelang der zweite am 4.8.: Zusammen mit Keating gelangte ein Postsack nach Macquarie Island, dessen Inhalt mit dem Tagesstempel vom 4.8.48 und dem violetten
Zweizeiler „AUSTRALIAN NATIONAL ANTARCTIC/RESEARCH EXPEDITION 1947“
versehen wurde. Untersuchungen haben inzwischen ergeben, dass mindestens 3 Arten von „Erstflugpost“ existieren:

  • Belege, die nur o.g. Stempel tragen; das ist Sammlerpost, die unter Umschlag an den Postal Superintendent in Melbourne geschickt und von diesem dem Flug zugeführt wurde ;
  • Belege, die zusätzlich Abgangsstempel australischer Orte (z.B. Alexandra, NSW/19.7.48, Sydney, NSW/20.7.48) und Durchgangsstempel von Melbourne (bei R-Briefen) tragen; das sind Belege, die offen an.die Station über den Postal Superintendent geschickt wurden ;
  • Belege, die die Stempel wie bei 1 sowie den Zweizeiler „OPERATION/SINBAD“ und den Zweizeiler „R.A.A.F. No.11 SQUADRON/PT.COOK V1CTORIA“ tragen; diese wurden über den Staffelstützpunkt nach Melbourne aufgegeben .

Die „Catalina“ verliess Macquarie Island sm 5.8. in Richtung auf den neuseeländischen Luftwaffenstützpunkt Wigram. Sie beförderte nur einige persönliche Briefe der Stationsbesatzung, die am 21.7. in Erwartung des ursprünglich für den 24.7. geplanten Flugs gestempelt worden waren. Die Sammlerpost kehrte erst im nächsten Jahr zurück, als die „Labuan“am 27.3.49 die Besatzung ablöste.

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Mehr als 30 Jahre vergingen, ehe die nächste Luftpost nach Macquarie Ie1and abging, denn der auch für diese Insel übliche ‚.Veg war der mit dem Schiff. Am 19.6.79 gab die in Edinburgh (Südaustra1ien) stationierte RAAF-Staffel Nr.10 bekannt, dass am 21.6. ihre Crew Nr.1 unter Flight Lieutenant (Hauptmann) P.Jabornicky mit einer neuen Lockheed P3C „Crion“ – das ist ein zweimotoriger Bomber für die U-Boot-Abwehr – vom Luftwaffenstützpunkt East Sale nach Macquarie Island fliegen und dort Post abwerfen (mail drop) würde. Philatelisten wurden aufgefordert, Post aufzuliefern. Die Maschine startete am Geburtstag des Piloten um 9 Uhr Ortszeit. An Bord befanden sich noch Kopilot S.Huckstepp, Flugkoordinator C.Wagner von der US-Marine, die Navigatoren R.Goodwin und L.Robinson, die Elektronikoffiziere P.Fuller und M.James, die Flugingenieure N.Rowett und J.Beer, der Techniker J.Miller sowie die Journalistin S.Johnson und 3 Mitarbeiter der „Antarctic Division“ . Gegen 12.15 Uhr wurde die Post über der Insel abgeworfen, und das Flugzeug kehrte zurück. Beförderte Belege wurden mit (bzw. entweder/oder) handschriftlichen Vermerken des Piloten, der Unterschrift des Inselpostmeisters P.W.King, einem roten Dreizeiler der Staffel, einem violetten Dreizeiler als Flugbestätigung sowie einem TagaEtempel vom 21.6.79 versehen . Anlässlich dieses Fluges wurde seitens der „Antarctic Division“ mitgeteilt, dass künftig 2 bis 3 derartige Flüge im Jahr stattfinden würden, um die regulären Versorgungsschiffe zu entlasten. Allerdings erfolgte keine Ankündigung mehr, die es Philatelisten ermöglichte, Post aufzuliefern. Die“Antarctic Division“ teilte mit: „Es ist nicht unsere Politik, diese Flüge ausser den nächsten Angehörigen der Expeditionsteilnehmer anzukündigen, da das philatelistische Aufkommen so hoch würde, dass wir nicht in der Lage wären, mit der ganzen Post fertig zu werden“. Das ist deutlich und verständlich zugleich. So ist es also nur dem Glück zu verdanken, wenn hartnäckige Philatelisten in den Besitz nach Macquarie Island geflogener Belege wie dem vom 21.8.81 gelangen, der von Hobart aus mit einer C-130 „Hercules“ zur Insel befördert und später mit der „Nella Dan“ zum Kontinent zurückgeschafft wurde . Unter diesen Umständen ist zu vermuten, dass Belege noch anderer Flüge existieren.

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