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1. Januar 2000 / PolarNEWS

Notoperation: Chirurg entfernte sich 1961 Blinddarm selbst…

Leonid Rogozow hielt sich mitten in der Antarktis auf, als er Symptome einer akuten Blinddarmentzündung verspürte. Hunderte Kilometer vom nächsten Spital entfernt, blieb ihm nur eine Möglichkeit, um zu überleben: Er griff zum Skalpell und operierte sich selbst.
2011 war es 50 Jahre her, dass sich der damals 27-jährige Chirurg Leonid Rogozow mit elf Forschern in der Polarstation Novolazarevskaya aufhielt. Dieses Jubiläum nahm das „British Medical Journal“ zum Anlass, um die einzigartige Geschichte des Arztes noch einmal zu erzählen.

Rogozow hatte im April 1961 bereits einige Tage an schlimmen Schmerzen gelitten, diese jedoch vor seinen Kollegen verheimlicht. Was hätten sie auch machen können, wenn doch die nächste Station 1.600 Kilometer entfernt war und heftige Schneestürme tobten, die jegliche Rettungsaktion unmöglich machten.

Am 30. April waren Rogozows Schmerzen schliesslich so schlimm, dass er beschloss, sich selbst zu operieren, um sein Leben zu retten. Als Chirurg war er sich darüber im Klaren, dass die Schmerzen von seinem Blinddarm verursacht wurden. Er informierte seine Kollegen von seiner kritischen Situation und bat einige von ihnen, ihm zu assistieren. Für den Fall, dass er in Ohnmacht fallen würde, bereitete er ihnen Spritzen vor und klärte sie über künstliche Beatmung auf. Zwei seiner Kollegen hüllten den Raum in ultraviolettes Licht, sterilisierten die Bettwäsche, die Operationsinstrumente und sich selbst.

OP dauerte fast zwei Stunden
Um 22 Uhr war es schliesslich so weit: Mit einem zehn Zentimeter langen Schnitt öffnete Rogozow seinen Unterleib in halbaufgerichteter Position. Obwohl ihm Kollegen einen Spiegel hielten, war die Sicht auf die Wunde nicht optimal, sodass er die meiste Zeit seiner Intuition folgen musste. In seinem Tagebuch hielt er später fest: „Ich arbeitete ohne Handschuhe. Ich konnte kaum etwas sehen. Der Spiegel hilft, aber er behindert auch – schliesslich zeigt er alles verkehrt. Ich arbeite vor allem mit Tastgefühl. Ich blutete stark, aber nehme mir die Zeit, versuchte präzise zu arbeiten.“

Nach 30-40 Minuten fühlte sich der junge Chirurg zunehmend unwohl, schaffte es jedoch, zahlreiche Teile seines Blinddarms zu entfernen. Schliesslich versorgte er die Bauchhöhle mit Antibiotika und schloss die Wunde. Nach einer Stunde und 45 Minuten war die Operation abgeschlossen.

Nach zwei Wochen wieder fit
Vier Tage nach der Selbstoperation befand sich der junge Chirurg wieder auf dem Weg der Besserung. Nach zwei Wochen konnte er sogar wieder seiner gewohnten Routine nachgehen. Ein Jahr nach seiner lebensrettenden Situation verliessen der Chirurg und das Forscherteam die Station. Rogozow kehrte nie wieder in die Antarktis zurück und verstarb am 21. September 2000 in St. Petersburg.

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