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1. Januar 2000 / PolarNEWS

Schelfeis

Schelfeis 

Grosse Eisströme entwässern das Innere des Kontinents und bilden die Schelfeistafeln. Es sind dies schwimmende Eisplatten von grossflächigem Ausmassen und mindestens 2m Höhe über dem Meeresspiegel, die vom Inlandeis, Gletschern oder Eisströmen gespeist werden.

40% der über 30000km langen Küste bestehen aus Schelfeis. Das Schelfeis hält den Kontinent zusammen und schützt ihn gegen das stürmische Südpolarmeer. Ein Teil des Schelfeis liegt auf Wasser – ein anderer Teil schiebt sich auf das Land, wo es auch festgehalten wird. An dieser Grenze entstehen starke Spannungen und Brüche und das Eis weist Spalten auf. Diese Verankerung verhindert aber, dass nachrückendes Eis aus dem Kontinent das Schelfeis ins Meer stossen. 

Am äussersten Ende brechen die grossen Tafeleisberge ins Meer ab, an dieser Abbruchzone ist das Eis stellenweise bis 200m dick. 

Nur an ganz wenigen Stellen bildet festes Gestein die Küste Antarktikas. Meist ist die Küstenlinie von Eis überdeckt, das den Strand überfahren hat und weit auf das Meer hinausreicht. Dieses schwimmende Eis bezeichnet man als Schelfeis, weil es zumeist über Schelfgebieten liegt, den (geologisch gesprochen) vom Meer überfluteten Rändern der Kontinentblöcke. Schelfeis ist das Bauelement des Südkontinents, mit dem der Mensch zuerst Bekanntschaft machte, das er heute am besten kennt, das aber auch die meisten Probleme birgt. Darf man es überhaupt noch zum Kontinent rechnen, gehört es nicht eigentlich zum Gebiet des Weltmeeres? Da seine Grenze gegen das offene Meer so überaus scharf, gegen das „Festland“ aber nur verschwommen, zumindest unsichtbar ist, da für Mensch und Tier in erster Linie der feste Boden unter den Füssen massgebend ist, und da (wie man heute annimmt) erst das Eis den mächtigen Kontinent zusammenkittet, hat man das Schelfcis bisher dem Kontinent zugerechnet und wird dies wohl auch in der Zukunft tun.

Etwa ein Fünfzehntel des 14 Millionen Quadratkilometer grossen Kontinents besteht aus Schelfeis. Nach dem heutigen Stand des Wissens rechnet man mit 940’000 Quadratkilometern Schelfeis. Es füllt besonders die grossen Buchten aus und vereinfacht dadurch die Umrisse, so dass der Kontinent Antarktika nur 24300 Kilometer Küste hat, das ist weniger als unser nur drei Millionen Quadratkilometer grosses Mittelmeer aufweist.

An elf Stellen ballt sich das Schelfeis zu grösseren Flächen. Am mächtigsten ist das Ross-Schelfeis im Ross-Meer, es umfusst mit seinen fast 500’000 Quadratkilometern gut die Hälfte des gesamten antarktischen Schelfeises. Dem Weddellmeer fehlt eine entsprechende Decke; früher war sie sicher einmal vorhanden, heute aber ist das Schelfeis nur noch in drei Reststücken erhalten, im Filchner-Schelfeis, im Larsen-Schelfeis und im Nordenskjöld-Schelfeis mit zusammen 270000 Quadratkilometern. Viel kleiner sind die anderen Schelfeisgebiete, so etwa das Westeis und das Shackleton-Schelfeis beiderseits des Gaussberges im australischen Viertel, das Sulzherger-Schelfeis und Getz-Schelfeis in der Westantarktis oder das Schwabenland-Schelfeis-Ost.

Die zwei grössten Schelfeistafeln der Erde befinden sich in der Antarktis und liegen sich gegenüber:

Daneben gibt es noch viele kleinere Schelfeis, wie :

  • Larsen-Schelfeis : Östl. Antarktische Halbinsel ca. 67°S mit 103’000 km2
  • Georg-VI.-Schelfeis : Westl. Antarktische Halbinsel ca.73°S mit 28’200 km2
  • Ekströmschelfeis : Antarktisküste ca. 10°W
    Ameryschelfeis : Antarktisküste ca. 70°E mit 12’500 km2

  • Westschelfeis : Antarktisküste ca. 80°E mit 28’900 km2
  • Shackletonschelfeis : Antarktisküste ca. 100°E mit 39’000 km2
  • Getzschelfeis : Antarktisküste ca. 120°W mit 20’000 km2
  • Abbotschelfeis : Antarktisküste ca. 90°W

Ross-Schelfeis:
Das Ross-Schelfeis zählt zu den grossen Naturwundern der Erde. Die etwa 800 km lange Abbruchkante des grössten Schelfeis-Gebietes der Erde wurde am 28.Januar 1841 erstmals von James Clark Ross gesichtet. Sie begrenzt den südlichen Bereich des Rossmeers. Das Eisplateau, das von riesigen Gletschern des antarktischen Inlandeises gespeist wird (Koettlitz-, Beardmore-, Axel-Heiberg- und Byrd-Gletscher), umfasst eine Fläche von 532000 km2- Das entspricht etwa der Grösse Frankreichs. Die Mächtigkeit dieser riesigen Eisplatte schwankt zwischen ca. 1 000 m am Rand des antarktischen Kontinents und ca. 150-200 m an der Abbruchkante. Ihr Volumen wurde mit etwa 23 000  km3 berechnet und die Fliessgeschwindigkeit auf 1,1 km/Jahr. An der Kante des Schelfeises kalben gewaltige Tafeleisberge mit einem jährlichen Volumen von insgesamt ca. 160 km2. Einzelne von ihnen können eine Fläche von der Grösse Belgiens erreichen, wie das im Jahr 1987 der Fall war. Etwa 500-750Jahre benötigt übrigens das Gletschereis für den Weg vom Ursprungsgebiet auf dem Kontinent bis zur Abbruchkante.

Eisbarriere :

Als Eisbarriere bezeichnet man den Schelfeisrand. Das Eisschelf verliert den Kontakt mit dem Meeresboden. Das Schelfeis bricht ab und es bilden sich Tafeleisberge. Diesen Vorgang nennt man kalben. Tidenhub, Wellengang und Schmelzprozesse bilden bei der Kalbung eine Rolle, ebenso auch der Schub vom Innern der Antarktis. Das gleiche Vorgehen kennen wir bei den Gletschern, nur sind es hier wegen der Form keine Tafeleisberge.

Der Welt grösste Eisbergfabrik
Der Rand des Schelfeises ist die Geburtsstätte der Eisberge des Südens. Dort bilden sich Spalten, die sich unter schussähnlichem Knallen erweitern und verzweigen, bis sich schliesslich Fetzen davon losreissen und zu Eisbergen werden. Sie geraten nun in die Gewalt des Windes und der Meeresströmungen und treiben dahin, meist viele tausend Kilometer weit, bis sie allmählich der Auflösung durch das Meerwasser, dem Abschmelzen in der Sonne und der Verdunstung erliegen und verschwinden.
Es müssen sich dort ganz erhebliche Mengen von Eisbergen loslösen. Wenn man bedenkt, dass der antarktische Kontinent eine Eisfläche von 14 Millionen Quadratkilometern besitzt, gegenüber den zwei Millionen Grönlands, der zweitgrössten Eisbergwerft der Erde, dass das Eis in breiter Front ins Meer mündet, während es in Grönland von Handgebirgen gestaut wird und nur an einigen Fjorden ins Meer abfliessen kann, dann kann man ausrechnen, dass die Antarktis wohl zehn mal so viele Eisberge liefert wie die Nordhalbkugel. Aber nur die allerwenigsten kommen Menschen zu Gesicht, die meisten entstehen und vergehen ungesehen. Früher, als der Panamakanal noch nicht vorhanden war und die grossen Schiffe ihren Weg um das Kap Hoorn suchen mussten, war es noch anders gewesen. Heute führen alle Verkehrswege weitab ihrer Gestade über das Weltmeer, allenfalls Expeditionsschiffe oder Walfänger machen noch ihre Bekanntschaft. Ihnen aber wird jede Begegnung zu einem Erlebnis, das nicht so rasch wieder vergessen wird.

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