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1. Januar 2000 / PolarNEWS

Scott Base Post Office closed …

Scott Base Post Office ist seit dem 1. Oktober 1987 geschlossen.
Mit der Begründung: „Zu wenig Postaufkommen – zu hohe Unterhaltungskosten“ wurde die Poststelle des Ross Dependency geschlossen – damals eine Ungeheuerlichkeit.  Aber die neuseeländische Post ist auch privatisiert worden und als Folge wurden viele Postämter geschlossen – heute auch bei uns ein ganz normaler Vorgang.  Unter diese Massnahme fiel leider auch das Postamt Scott Bese im Ross Dependency. Laut Auskunft der neuseeländischen Postverwaltung ging alles schnell „über die Bühne“. Man hätte zwar noch eine Letzttagsabstempelung geplant, aber wegen der schlechten Witterungsverhältnisse musste dieser Plan aufgegeben werden. Man kann es glauben. oder nicht.
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Nachträgliche Proteste von neuseeländischen Sammlern und Händlern brachten auch keinen Erfolg. Zwischenzeitlich sind Protestschreiben von vielen Sammlern aus aller Welt in Neuseeland eingegangen, aber die Postverwaltung war nicht mehr umzustimmen.
Tatasache ist :  Scott Base Post Office war das zusammen mit Dumont d‘Urville am meisten benutzte Postamt in Antarctica.  Selbst viele Amerikaner von McMurdo sandten ihre Post von der Scott Bese ab. Erstens waren die Marken vom Motiv her interessanter als US-Dauermarken und zweitens soll die Post auch schneller in die USA befördert worden sein, als von McMurdo.

Als kurze Übergangslösung konnten die Polarphilatelisten eine Frankiermaschine die Frankiermaschine auf Scott Base benutzen, wenn sie für das Rückporto 1-$ Scheine beilegten, die ja in der nahegelegenen US-Station McMurdo gut „verkonsumiert werden konnten“

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Ross Dependeny – Markengebiet ohne Postamt

Ross Dependency heisst das von Neuseeland beanspruchte Gebiet der Antarktis. Am 11. Januar 1957 wurde das Postamt SCOTT BASE, im südlichen Victorialand gelegen, eröffnet und gleichzeitig erschien eine Serie von 4 Briefmarken des neuen Markenlandes ROSS DEPENDENCY, die nur dort zu verwenden war. Für das Frankieren krummer oder besonders hoher Portosätze waren die Marken Neuseelands auch im Ross-Gebiet gültig, nicht aber umgekehrt die Marken des Ross-Gebietes in Neuseeland. Allerdings wurde ihr Gebrauch zumindest auf der subantarktischen Campbell-Insel zeitweise geduldet.

Im Laufe der Jahre erschienen 20 Briefmarken für das Ross-Gebiet. Dieses Markenland war eine Idylle für den Philatelisten: Wenige Markenausgaben, ein kooperatives Postamt in Scott Base, das sogar Einschreibsendungen abfertigte, und alle paar Jahre gab es auch mal einen Sonder- oder Ersttagsstempel, insgesamt waren es acht Stück

Doch eines Tages im Jahre 1987 kam aus Neuseeland der Knall. Ab 1. Oktober 1987 sollte das Postamt Scott Base geschlossen werden. Briefmarken für das Ross-Gebiet sollte es nur noch bis 31. Dezember beim Sammlerdienst geben; sie konnten dann aber schon nicht mehr verwendet werden, das heisst, die neuseeländische Post verkaufte ungültige Briefmarken. Grund für die Schliessung war: Das Betreiben dieses Postamtes sei unwirtschaftlich. Vergessen wurden dabei allerdings die Umsätze, die die Postverwaltung mit Sammlern in Neuseeland durch Agenturverkäufe der Ross-Dependency-Marken machte (derer man sich aber bald erinnerte). Kein Protest, keine Gegenvorstellungen halfen, das Postamt wurde und blieb geschlossen.

Jedoch nicht ganz: Nun wurde in der Scott-Basis eine neuseeländische Absenderfreistempelmaschine installiert. Eigenartigerweise trug sie eine Postamtsbezeichnung, die es gar nicht mehr geben durfte: SCOTT BASE / ANTARCTICA.

Bald erinnerte sich die neuseeländische Post auch wieder der an der Antarktis interessierten Briefmarkensammler. Drei Briefmarkenserien wurden mit antarktischen Motiven herausgegeben, die zwar gross die Landesbezeichnung NEW ZEALAND trugen, darunter aber in kleinerer Schrift auch ROSS DEPENDENCY.

Dies sind vollgültige neuseeländische Briefmarken. Der Zusatz ROSS DEPENDENCY bezieht sich lediglich auf das Motiv, auch wenn der unbefangene Betrachter es anders sehen könnte. Es gab ja auch gar kein Postamt im Ross Dependency mehr.

Vollends kurios wurde es dann aber 1994. Überraschenderweise versandte der neuseeländische Sammlerdienst eine buntgedruckte Mitteilung, die neben einigen Ausreden diese wesentlichen Aussagen enthielt: “ Das neuseeländische Postamt auf dem Eis“ wurde 1987 geschlossen, und die Ausgabe von Ross-Dependency-Briefmarken wurde eingestellt. Aber auf Grund unmöglich zu übersehender lokaler und internationaler Nachfrage werden sie im November 1994 wieder eingeführt. „Philatelisten werden dieses grosse Ereignis begrüssen, das mit einer Dauerserie von zehn Werten beginnt, auf die eine Gedenkausgabe pro Jahr folgen wird …“ und weiter…

Speziell für den Gebrauch in der Antarktis bestimmt, ist diese Ross-Dependency-Ausgabe ungültig für Post, die anderswo aufgegeben wird. Sie wird für diejenigen käuflich zu erwerben sein, die sich im Ross-Gebiet in der neuseeländischen Station auf dem Eis aufhalten, obwohl Briefe, die dort aufgegeben werden, erst in der Ross-Dependency-Agentur der neuseeländischen Post im Philatelie-Verkaufszentrum Christchurch gestempelt werden.

Hier haben wir sie also, die völlig kuriose, um nicht zu sagen konfuse Situation:  Am 2. November 1994 verausgabte die neuseeländische Post Briefmarken für das Markenland Ross Dependency. Forscher in der Station können sie kaufen und auf Briefe kleben, die aber erst in Christchurch (also in Neuseeland, wo sie eigentlich gar nicht gültig sind) gestempelt werden, beim Sammlerdienst wohlgemerkt.

Natürlich gab es auch Ersttagsbriefe. Und natürlich waren sie nie in der Antarktis. Sie wurden in Neuseeland vom Sammlerdienst hergestellt und verkauft. Sammler, die mit Ross-Dependency-Marken frankierte Belege haben wollen, reichen ihre vorbereiteten Vorlagen auch nicht etwa in der Scott- Station in der Antarktis ein (dort werden sie nicht angenommen). Nein, sie haben ihre Vorlagen nach Christchurch zu schicken, wo sie von der Ross-Dependency-Agentur in der Sammlerstelle der neuseeländischen Post gestempelt werden. Solche Briefe haben dann die Antarktis auch nie gesehen.

Dieses Verfahren erinnert fatal an frühere Machenschaften obskurer Postverwaltungen in der Karibik und im Pazifik, die nur für die Sammler Markenausgaben für Inselchen und Eilande herausgaben, auf denen keine Menschen zu Hause waren und erst recht kein Postamt arbeitete. Als Beispiel sei die unbewohnte Insel Redonda erwähnt, welche zu Antigua und Barbuda gehört. Schade ist einfach, dass dieses Spiel von einer sonst seriösen Postverwaltung gespielt wird. Wenn man schon bei Philatelisten abkassieren will, kann man dann nicht eine Poststelle wenigstens im Nebenamt in der Antarktis betreiben?

Kuriose Tatsache am Rande: Im Ross-Gebiet gibt es sehr wohl ein Postamt! Es ist das amerikanische militärische Postamt in der McMurdo-Station. Allerdings verwendet es keine Ross-Oependency-, sondern U.S.-Marken. Kurios auch, dass die Post aus McMurdo komplett nach Christchurch geflogen und erst von dort aus in alle Welt weitergeleitet wird. Den Amerikanern fiele es leicht, die

Besatzung der nur wenige Kilometer von McMurdo entfernten Scott-Basis postalisch mitzuversorgen. Ein Grossteil der Post aus der Scott-Basis wurde sowieso von amerikanischen Flugzeugen in die neuseeländische Heimat befördert und auf dem Flugplatz in Christchurch der neuseeländischen Postverwaltung übergeben, die sie dann, wie beschrieben, durch ihren Sammlerdienst weiterbearbeiten lässt. Sicher haben wir es hier mit politischen Abgrenzungsbestrebungen zu tun.

Ursprünglich wurden diese Markenausgaben ja gemacht, um eigene Gebietsansprüche mit der staatlichen Post zu markieren : siehe Australien mit AAT, Frankreich mit TAAF, Grossbritannien mit BAT. Einen anderen Weg machten Argentinien und Chile, welche auf den Marken des Heimatlandes ihre Gebietsansprüche zeigten. Eigentlich würde der Antarktisvertrag solche Ausgaben südlich des 60-ten Breitengrades hinfällig machen.

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