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28. Februar 2009 / PolarNEWS

– 2009 – 02 Lebewesen in Polarmeeren, Neumayer III

16.02.2009 Mehr Lebewesen in Polarmeeren als erwartet

Die Polarmeere sind biologisch keinesfalls tot. In den Gewässern der Antarktis haben Wissenschaftler jetzt 7500 Arten von Lebewesen registriert und 5500 weitere in der Arktis. Dazu gehören hunderte neu entdeckte Arten, wie aus einer Studie hervorgeht, die am Montag veröffentlicht wird. Vor allem handelt es sich dabei um einfache wirbellose Lebensformen.
„Die Lehrbücher sagen immer, es gebe in den Polarmeeren weniger biologischen Reichtum als in tropischen Gewässern“, sagte die australische Wissenschaftlerin Victoria Wadley, die an der Studie beteiligt war. „Wir haben aber ein erstaunlich reiches Meeresleben sowohl in der Arktis als auch in der Antarktis vorgefunden.“
Identische Arten an beiden Polen
So entdeckten die Forscher fünf neue Arten von arktischen Quallen. Ferner fanden sie in 3000 Meter Tiefe unter dem Packeis der Arktis viele neue Seespinnen und krabbenähnliche Krustentiere. Erstaunt waren die Wissenschaftler darüber, dass 235 entdeckte Arten in beiden Polarmeeren vorkommen. Angesichts der Entfernung von rund 11.000 Kilometern wurde dies als sensationell bewertet. Dazu gehören fünf Walarten, sechs verschiedene Meeresvögel und fast 100 Krustentiere. Nun soll weiter geprüft werden, ob diese Arten auch wirklich identisch sind.
Mehr als 500 Wissenschaftler sind beteiligt
Erstellt wurde die Studie im Rahmen des internationalen Projekts „Zensus des Meereslebens“. An der Studie beteiligten sich mehr als 500 Wissenschaftler aus 25 Ländern. Sie trotzten dem harschen Klima der Polarregionen, um die dortige Tierwelt näher zu erforschen. Dabei half ihnen die moderne Technik – etwa bei der Beobachtung von Walen auf ihren Wanderungen durchs Polarmeer. Finanziert wird das bis 2010 laufende Projekt von den Vereinten Nationen, nationalen Regierungen und Umweltorganisationen.

20.02.2009 Antarktis-Station „Neumayer III“: Polarforschung auf 16 Beinen

Antarktis-Labor auf Stelzen: Die neue deutsche Forschungsstation „Neumayer III“ ist eröffnet. Der Stahlkoloss ist ein nie zuvor gewagter Hightech-Bau: Hydraulik-Beine sollen verhindern, dass die Station im Schelfeis versinkt.
Neumayer-Station/Antarktis – Die mehr als 13.000 Kilometer von Deutschland entfernte neue Antarktis-Station „Neumayer III“ ist am Freitag eröffnet worden. Die deutsche Forschungsbasis löst „Neumayer II“ ab, die immer tiefer im Eis verschwindet. Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) bezeichnete die Station als ein „Meisterstück der Ingenieurkunst und ein Labor mit bislang ungekannten Möglichkeiten“. Für die Wissenschaftler im Eis beginne eine neue Ära, sagte Schavan in Berlin. Die Errichtung von „Neumayer III“ dauerte sieben Monate. Das hochmoderne Gebäude steht mit 16 Stelzen auf dem 200 Meter dicken Ekström-Schelfeis im Südpolargebiet. Neun Menschen können auf „Neumayer III“ überwintern, im antarktischen Sommer ist Platz für mehr Forscher. Sie sollen Klimadaten sammeln, die Konzentration von Treibhausgasen messen, das umfassende Verbot von Nuklearversuchen mitüberwachen oder bei der Erforschung von Walen helfen. Die klimatisierte Nutzfläche erstreckt sich auf 1850 Quadratmeter über drei Etagen, darunter Laborräume, Büros und eine Krankenstation.
Es gibt fünf Observatorien für Meteorologie, Geophysik, Luftchemie, Infraschall und marine Akustik. Die Energieversorgung übernehmen drei Dieselgeneratoren und ein Windkraftwerk. „Neumayer III“ wird vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven betrieben. Die Baukosten liegen bei insgesamt 39 Millionen Euro.
Eine wichtige Besonderheit der vierstöckigen Station: Sie wird nicht mehr wie ihre Vorgänger von der jährlich um rund einen Meter steigenden Schneedecke begraben, sondern kann mit ihren 16 Beinen darüber hinaus gehoben werden. Die 2300 Tonnen schwere Stahlkonstruktion steht auf Stützen, die hydraulisch hochgefahren werden können. Während sich die Beine heben, wird Schnee darunter geschaufelt und verdichtet. Danach werden die Stelzen auf die neue Höhe ausgerichtet. Das Ganze wird elektronisch überwacht und hat bei bisherigen Probeläufen gut funktioniert.
Ausserdem wird die Station auch horizontal mobil: Jedes Jahr wandert sie 157 Meter mit dem Schelfeis. Das Eis ist mit dem Festlandeis verbunden und wächst immer weiter auf das Meer hinaus.
Die Antarktis ist der kälteste, windigste und trockenste Kontinent der Erde. Der Kälterekord liegt bei minus 89,2 Grad. Das Ökosystem gilt als einzigartig. Daher steht das rund 13 Millionen Quadratkilometer grosse Gebiet rund um den Südpol unter besonderem Schutz: Es ist ein „dem Frieden und der Wissenschaft gewidmetes Naturreservat“, wie es im Antarktisvertrag heisst. Der zu 98 Prozent von Eis bedeckte Kontinent ist etwas grösser als Europa. Staats- und völkerrechtlich ist er Niemandsland. Wenige hundert Forscher erkunden die extremen Verhältnisse. An und vor den Küsten leben unter anderem Wale, Pinguine, Albatrosse und Robben.

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