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1. Januar 2000 / PolarNEWS

EUROSHACK 1994-95

Internationale geologische Expedition in die Shackleton Range (Antarktis) EUROSHACK 1994 – 1995

Wissenschaftler aus vier europäischen Ländern (Deutschland. Grossbritannien, Italien und Russland) beteiligten sich an dieser, logistisch von Grossbritannien und Deutschland getragenenen Expedition mit eigenen geowissenschaftlichen Teilprogrammen. Die wissenschaftlichen Aufgaben dieser ersten internationalen Expedition in dieses Gebiet wurden bereits 1990 während eines internationalen Arbeitstreffens bei der Bundesanstalt für Geologie und Rohstoffe (BGR) in Hannover vereinbart. Die Grundlage für die Konzeption der konkreten Arbeitsziele bildeten die bis dahin über die Shackleton Range bekannten geologischen Daten aus den vorangegangenen nationalen Aktivitäten Grossbritanniens. Deutschlands (GEISHA-Expedition 1987 / 88) sowie der früheren UdSSR mit DDR-Beteiligung (insbesondere 22. SAE 1976/77) in dieser Region. Die wesentlichen Gesteinseinheiten der Shackleton Range waren durch diese Vorarbeiten grundsätzlich bekannt. Jedoch zeigten sich bei der krititschen Zusammenstellung der Daten beträchtliche Kenntnislücken sowie Widersprüche und viele offene Fragen. Der Schwerpunkt des EUROSHACK-Programms wurde daher auf die Klärung verschiedener Detailfragen gelegt. Die Shackleton Range stellt ein Gebirge mit einer Ausdehnung von etwa 75 x 200 km (ca. 15.000 km2) dar. dessen abweichende strukturelle Orientierung, nahezu rechtwinklig zur Streichrichtung des Transantarktischen Gebirges. die Geologen seit ihrer Entdeckung beschäftigt hat. Sie befindet sich zudem etwa im Schnittpunkt zweier grossräumiger Gebirgsbildungsprozesse, die während unterschiedlicher geologischer Zeiträume zur Bildung der antarktischen Landmasse beitrugen. Das Gebirge nimmt daher aus geologischer Sicht eine Schlüsselstellung bei der Bewertung des plattentektonischen Geschehens auf der Südhalbkugel ein. Unter anderem werden aus den neu gewonnenen Daten Aussagen zur Entstehungsgeschichte des alten Südkontinentes Gondwana erwartet, dessen Herzstück eben der heutige Kontinent Antarktika war und dessen Zerfall in die heutigen Kontinente Afrika, Südamerika. Australien. Indien und das rezente Antarktika bereits im Erdmittelalter begann. Neben petrologisch-mineralogischen, geotektonischen, geomagnetischen und sedimentologischen Untersuchungen spielten insbesondere auch Fragen der Altersdatierung verschiedener Gesteinseinheiten der Shackleton Range eine zentrale Rolle im EUROSHACK-Programm. Die möglichst genaue Datierung der verschiedenen Gebirgsstockwerke bildet eine wesentlichen Voraussetzung zur Aufklärung der erdgeschichtlichen Entwicklung eines Gebirgsmassivs. Dies kann auf physikalischem Wege, beispielsweise mittels der in bestimmten Gesteinen nachweisbaren Isotopenzusammensetzung erfolgen (radiometrische Altersdaten). Eine weitere und davon unabhängige Methode basiert auf der Verwendung von sogenannten Leitfossilien (Biostratigraphie). Die Erkenntnis, dass die biologische Evolution auf der Erde im Verlauf von über 3 Milliarden Jahren Erd- und Lebensgeschichte zahllose biologische Arten hervorbrachte, die jeweils eine mehr oder weniger lange zeitliche Existenz aufweisen und somit quasi Zeitmarken in der Erdgeschichte bilden, eröffnete die Möglichkeit der Nutzung dieser “paläontologischen Uhr” für die geologische Zeitanalyse. Die Biostratigraphie bildet heute in Kombination mit den genannten physikalischen Altersbestimmungen eine recht sichere Methode zur zeitlichen Analyse geologischer Ereignisse. Die fraglichen Sedimente sind erdgeschichtlich sehr alt. Ihre Entstehungszeit liegt zwischen dem jüngeren Präkambrium (ca. 800 Mio. Jahre) und dem älteren Paläozoikum (ca. 400 Mio. Jahre vor heute). Schliesslich wurde im Westen der Shackleton Range eine bisher unbekannte fossile Meeresfauna mit verschiedenen Krebstieren und anderen, z.T. problematischen Organismenresten entdeckt, deren bevorstehende Bearbeitung eventuell noch paläontologische Überraschungen liefern könnte. Die Aufarbeitung des sehr umfangreichen Probenmaterials wird viele Monate in Anspruch nehmen. In Verbindung mit den Resultaten der anderen geowissenschaftlichen Disziplinen werden aus der Sicht der Paläontologen weitere Einsichten in die geologische Vergangenheit Antarktikas im oben beschriebenen Zusammenhang erwartet.

Die Anreise der deutschen EUROSHACK-Teilnehmer zur Expedition erfolgte mit dem Flugzeug über Amsterdam. Rio de Janeiro, Buenos Aires. St. de Chile nach Punta Arenas an der Südspitze Südamerikas. Dort begann am 23.11.1994 der Fahrtabschnitt ANT XII/2 des FS “POLARSTERN’ über die Süd-Shetland-Inseln nach Neumayer (Atka Bay) und Halley. das am 14.12.1994 gegen 16.00 Uhr Ortszeit erreicht wurde. Die britische Station Halley bildete mit einem Zwischenlager den Startpunkt für die EUROSCHACK-Expedition. Die “POLARSTERN” fuhr von dort aus zurück nach Georg von Neumayer und weiter nach Kapstadt. Von Halley aus beginnt der Transport von Material und Crew mit zwei britischen Twin-Otter-Maschinen in die etwa 600 km südlich von Halley liegende Shackleton Range, wo die Expedition bis zum 23.12.1994 vollständig und rechtzeitig zum Weihnachtsfest im Base Camp in den Bemardi Heights (Herbert Mountains) eintrifft. Am 25.12.1994 beginnt die Feldarbeit in kleineren Arbeitsgruppen. die mit den zwei verfügbaren Helikoptern der deutschen Helikopter-Service-GmbH (Caiden) in ihre jeweiligen Arbeitsgebiete geflogen werden. Die Helikopter bilden während der gesamten Saison die entscheidende logistische Basis für die Operationen der verschiedenen Gruppen im Gelände, insbesondere für die Umsetzung der Camps in die verschiedenen Arbeitsgebiete. Das Wetter bleibt bis auf geringe Unterbrechungen stabil und ermöglicht die Realisierung nahezu aller gesteckten Arbeitsziele. Anfang Februar 1995 beginnt der schrittweise Rücktransport der Expedition nach Halley, von wo aus der Hauptteil der Crew mit FS “POLARSTERN” über Chile zurückkehren wird. Einige britische und deutsche Teilnehmer verlassen Halley jedoch bereits am 20.02.1995 mit dem britischen Versorgungsschiff R.R.S. “BRANSFIELD”, das mit Stop in Signy (South Orkneys) und Südgeorgien nach Port Stanley (Falkland Islands) fährt. Am 26.02.95 wird die britische (biologische) Station Signy und am 01.03.95 die biologische Station auf Bird Island an der Nordspitze Südgeorgiens erreicht. Die “BRANSFIELD” hält sich zur Versorgung der Station bis zum 04.03.95 an der Küste Südgeorgiens auf. Während dieser Zeit können die historischen Walfangstationen Stromness, Husvik und Leith sowie die einzig noch bestehende Ansiedlung Grytviken mit dem Walfangmuseum, der Kirche und dem Postamt besichtigt werden. Ausserdem suchen die Teilnehmer der EUROSHACK-Expedition das Grab von Sir E. H. Shackleton auf dem örtlichen Friedhof von Grytviken auf. Die Lebensgeschichte des grossen britischen Polarforschers, dessen Name mit dem Forschungsgebiet EUROSHACK-Expedition verbunden ist, war in verschiedener, fast tragischer Weise mit dieser Insel im Südatlantik verknüpft.Am 04. 03. 1995 verlässt die “BRANSFIELD” schliesslich Südgeorgien und erreicht nach weiteren vier Tagen Überfahrt bei zum Teil schwerer See am 07. 03. 1995 die Falkland Inseln, von wo aus am 11. 03. 1995 der Rückflug mit einer Lockhad Tristar der Britisch Air Force mit Stop in Ascension Island nach Brize Norton in England erfolgt.

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