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30. Januar 2004 / PolarNEWS

– 2004 – 01 Christchurch – Antarktis-Feeling im Vergnügungszentrum

19.01.2004 : [NZ] Christchurch – Antarktis-Feeling im Vergnügungszentrum

Die Antarktis gehört beileibe nicht zu den beliebtesten Reisezielen der Welt. Wer dem Leben im ewigen Eis dennoch näher kommen möchte, kann im Besucherzentrum des International Antarctic Centre in Christchurch simulierte Schneestürme erleben, mit dem Schneemobil unwegsame Gelände überwinden und die Tierwelt kennen lernen.
Christchurch – Neuseeland ist zwar nicht die Landmasse, die der Antarktis am nächsten liegt – Südamerika streckt sich um einiges mehr dem Eiskontinent entgegen. Doch mit Christchurch haben die „Kiwis“ immerhin die südlichste Grossstadt der Welt zu bieten: Von hier aus sind es nur noch 5056 Kilometer bis zum Südpol. Nicht nur die USA, Italien und Neuseeland unterhalten in Christchurch die Hauptquartiere ihrer Antarktis-Programme. Auch Urlauber können sich hier den Pinguinen besonders nahe fühlen. Das International Antarctic Centre zieht 200.000 Touristen im Jahr an und vermittelt ihnen intensive Eindrücke aus einer Welt, die fast alle Besucher noch nie betreten haben.

Dass das Antarktis-Zentrum direkt am Flughafen liegt, ist kein Zufall. Denn in Christchurch starten jedes Jahr von September bis Februar etwa 80 Versorgungsflüge zu Forschungsstationen im ewigen Eis. Das 1992 gegründete Besucherzentrum wirkt dabei wie ein Anbau des grossen „Warenhauses“, aus dem heraus die Bewohner der Antarktis-Basen ausgerüstet werden. „Etwa 70 Prozent der Maschinen müssen allerdings mehrfach einen Anlauf nehmen“, erzählt Lindsay McKerrow, der als Besucherführer im Antarktis-Zentrum arbeitet. „Das Wetter ist auch im Antarktis-Sommer oft viel zu schlecht zum Landen.“
Was unter schlechtem Wetter zu verstehen ist, lernen die Besucher in einem speziellen Kühlraum im Inneren des Gebäudes. Das Anziehen einer dicken Jacke und das Überziehen von Gummischuhen sind Pflicht, ehe es in den minus fünf Grad kalten Raum geht. Dann wird es dunkel. Mehrere Ventilatoren wirbeln mit lautem Gebrüll die Luft auf, dazu heult aus den Boxen ein eisiger Wind. Schnell sinkt die gefühlte Temperatur auf minus 25 Grad. Nach drei Minuten ist der Spuk vorbei, und es wird wieder hell. „Ein echter Schneesturm in der Antarktis dauert dagegen oft 40 Stunden und länger“, sagt Lindsay, während die ersten Touristen Erinnerungsfotos mit dem im Raum ausgestellten Snowmobil schiessen oder lachend eine kurze Eisrutsche hinabsausen.
Es ist nicht schwer, einen ganzen Vormittag im Antarktis-Zentrum zu verbringen. Es gibt mehrere Dia-Shows, die Schönheit und Gefahren des Südkontinents illustrieren. In einem Aquarium mit minus 0,21 Grad kaltem Wasser schwimmen Fische aus dem Eismeer, an Computern können sich die Besucher aktuelle Daten aus den Forschungsbasen anschauen.
Die zweite grosse Attraktion neben dem nachempfundenen Schneesturm ist allerdings nicht im Besucherzentrum zu finden, sondern vor seinen Toren: Alle 20 Minuten startet ein Hägglund-Mobil, wie es auch in der Antarktis genutzt wird, zu einer 1,5 Kilometer langen Fahrt über einen Hindernisparcours aus Schutthügeln. Dabei lernen die Fahrgäste auch, dass das in Schweden gebaute Kettenfahrzeug wasserdicht ist: Nachdem Fahrer Brian noch einmal geprüft hat, ob alle Türen zu sind, steuert er den Hägglund in ein tiefes Becken. Plötzlich steht den Insassen das Wasser bis zum Hals, zum Glück nur jenseits der Fenster.
Nach 15 Minuten ist die Tour mit dem schweren, 65 Liter Sprit pro 100 Kilometer schluckenden Hägglund vorbei. Als die Gäste heraus klettern, steigt jenseits des Flughafenzauns gerade eine laute US-Militärmaschine in den Himmel über Christchurch. Sie hat sechs Stunden Flug vor sich – dem Ort, zu dem sie fliegt, fühlen sich die Besucher des Zentrums nun zumindest ein bisschen näher.

 

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