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30. November 2012 / PolarNEWS

– 2012 – 11 Meeresschutz, Kaiserpinguine, Bakterien im Eis

02.11.2012 [-j, CN, RU] Gescheiterte Verhandlungen: China und Russland blockieren Meeresschutz in der Antarktis

Das Meer vor der Antarktis soll besser kontrolliert werden. Doch die Verhandlungen für die Einrichtung von Schutzgebieten vor der Küste sind nun gescheitert. Drei Staaten wollen Beschränkungen für die Fischerei nicht hinnehmen.
China, Russland und die Ukraine haben die Verhandlungen über neue Meeresschutzgebiete in der Antarktis scheitern lassen. Die drei Staaten wollten Beschränkungen für die Fischerei nicht mittragen. Ein Treffen der Internationalen Kommission zum Schutz lebender Ressourcen in der Antarktis (CCAMLR), das seit zwei Wochen im australischen Hobart stattfand, musste damit ohne Ergebnis abgebrochen werden.
Bei der Konferenz in Hobart hätte eigentlich die Schaffung eines 1,6 Millionen Quadratkilometer grossen Schutzgebietes im Ross-Meer auf den Weg gebracht werden sollen. Es liegt auf der Neuseeland zugewandten Seite der Antarktis. Nationen unter Führung der Europäischen Union und Australiens hatten zudem einen Schutzstatus für weitere 1,9 Millionen Quadratkilometer Küstengewässer im Weddellmeer vor der östlichen Antarktis gefordert.
Die Antarktis bietet Lebensraum für Pinguine, Seelöwen, Robben und zahlreiche weitere Tierarten. Die 1980 gegründete CCAMLR, der 24 Mitgliedstaaten und die Europäische Union angehören, erarbeitet derzeit die wissenschaftlichen Grundlagen für die Anlage mariner Schutzgebiete im Antarktischen Ozean.
Nächstes Treffen in Deutschland
Umweltschützer haben mit Verärgerung auf das Scheitern der Verhandlungen in der Antarktis reagiert. Die Antarctic Ocean Alliance, ein Zusammenschluss Dutzender Umweltschutzorganisationen, kritisierte das Scheitern am Freitag. Eine kleine Zahl von Ländern habe den Naturschutz in der Antarktis aktiv blockiert, sagte ihr Sprecher Steve Campbell.
Zahlreiche Prominente hatten sich den Forderungen nach der Einrichtung eines Schutzgebietes in der Region angeschlossen. Mehr als eine Million Menschen unterzeichnete bisher eine von Hollywood-Star Leonardo DiCaprio gestartete Petition, darunter zahlreiche Schauspieler, Unternehmer Richard Branson und die Bands Linkin Park und Maroon 5.
Im kommenden Juli soll ein erneutes CCAMLR-Treffen in Deutschland Fortschritte bringen. „Die Antarktis beherbergt einzigartige Ökosysteme“, hatte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner am Anfang der nun gescheiterten Tagung gesagt. „Deshalb wollen wir die internationalen Anstrengungen zum Schutz der Meeresgebiete in der Antarktis mit konkreten Massnahmen aktiv unterstützen.“

09.11.2012 [-d] Antarktis: Forscher entdecken 6000 Pinguine

In der Antarktis leben mehr Pinguine als vermutet: An der Küste des Kontinents haben französische Wissenschaftler zwei neue Populationen von Kaiserpinguinen entdeckt. Sie waren zum Brüten an Land gekommen.
Eine derart angenehme Entdeckung ist Wissenschaftlern selten vergönnt: Französische Forscher haben in der Antarktis zwei neue Populationen junger Kaiserpinguine entdeckt. Es handelte sich um etwa 6000 Tiere.
Die Tiere seien rund 250 Kilometer von der Forschungsstation Dumont d’Urville entfernt beobachtet worden, teilte das Polarinstitut Paul Emile Victor am Donnerstag mit. Die Region liegt an der Küste, die Australien zugewandt ist. Dort treffen Pazifik und Indischer Ozean aufeinander.
Die Zahl der Kaiserpinguine, die bislang in der von dem Institut erforschten Region gesichtet wurden, habe sich mit der Entdeckung verdreifacht, berichten die Forscher. Die Gesamtzahl der Pinguine in der Antarktis wird auf etwa 600.000 geschätzt. Eine Studie hatte kürzlich gezeigt, dass es dort doppelt so viele von ihnen gibt als bisher angenommen. Satellitenbilder hatten die Tiere überführt.
Die beiden nun entdeckten neuen Gruppen wurden in der Gegend bereits vermutet, aber nie gesichtet. Pinguine kommen nur zu ihrer Brutzeit im antarktischen Winter zwischen April und Anfang Dezember aus dem Meer. Zu dieser Zeit ist es wegen der Wetterbedingungen für Wissenschaftler aber schwierig, Forschungsreisen zu unternehmen.
Forscher sorgen sich derzeit, weil sich die Pinguine auf einer Antarktis-Insel rar machen. Innerhalb weniger Jahre war der Bestand um fast 40 Prozent zurückgegangen. Kürzlich konnten sie immerhin einen Verdächtigen freisprechen: Der Tourismus scheint nicht für den Pinguin-Schwund verantwortlich zu sein.

22.11.2012 [-d] Anstrengende Jagd: Kaiserpinguine nutzen Eisflächen zur Erholung

Forscher haben Kaiserpinguine in der Antarktis bei der Jagd begleitet. Wie ihre Studie zeigt, brauchen die Vögel Eisflächen, um sich zwischen Tauchgängen zu entspannen. Ausserdem schützen sie sich so vor Seeleoparden und anderen Räubern, die im Wasser lauern.
Die antarktischen Eisflächen sind einer Studie zufolge wichtige Rastplätze für Kaiserpinguine auf der Jagd. Während ihrer ausgedehnten Futtersuche im Wasser kehren die Tiere immer wieder zum Meereis zurück und verbringen dort fast ein Drittel ihrer Zeit, berichtet eine internationale Forschergruppe im Fachjournal „Plos One“.
Dem Team um Shinichi Watanabe von der Fukuyama Universität im japanischen Hiroshima war es bereits 2005 gelungen, die Aktivitäten von zehn Kaiserpinguinen der Art Aptenodytes fosteri in der Brutsaison zu verfolgen. Die Pinguine stammten aus einer Kolonie am Kap Washington in der Antarktis. Mithilfe spezieller Geräte erfassten die Forscher elektronisch, wie sich die Tiere bewegen und bis in welche Tiefen sie tauchen.
Tauchrekord von 514 Metern
Dabei fanden sie heraus, dass die Pinguine nach ihrem Aufbruch zur Jagd im Schnitt knapp fünf Stunden lang unterwegs sind. Über zwei Drittel der Zeit tauchten sie tiefer als fünf Meter ins Wasser, oft sogar bis in sehr grosse Tiefen. Der Rekord eines Pinguins lag bei 514 Metern. Knapp ein Drittel der Jagdphase verweilten die Tiere bei kurzen Pausen auf Eisflächen. Je länger der vorherige Tauchgang war, umso mehr Zeit verbrachten die Pinguine auf dem Eis. Da die Vögel auf den Eisflächen keine nennenswerten Entfernungen zurücklegten, folgern die Forscher, dass die Tiere sie primär als Erholungsinseln nutzen.
Gleichzeitig dienen sie aber auch dem Schutz vor Räubern wie Seeleoparden, glauben die Forscher. Dafür spreche auch, dass Kaiserpinguine oft bis zu mehrere Stunden an der Eiskante warten, bevor sie in einer grossen Gruppe zur Jagd aufbrechen. Schon länger ist bekannt, dass sich Pinguine in solch einer Situation kurzzeitig zusammenrotten und anschliessend gleichzeitig ins Wasser eintauchen. Wahrscheinlich steigert sich durch die Gruppe die Wachsamkeit gegenüber Fressfeinden, der Schwarm könnte Seeleoparden und andere Räuber zudem verwirren und so die Überlebenschancen der Vögel zusätzlich erhöhen.
Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig Meereis für das Jagdverhalten der Kaiserpinguine ist, schliesst Watanabe. Ändert sich die Verteilung des Meereises durch das Klima, könne dies Auswirkungen auf die Ernährung der Pinguinkolonien haben, schreiben er und seine Kollegen.

27.11.2012 [-c] Entdeckung in Lake Vida: Bakterien seit 2800 Jahren unter Antarktis-Eis isoliert

Jahretausendelang waren sie von der Aussenwelt abgeschnitten, jetzt haben Forscher eine uralte Gemeinschaft von Mikroorganismen entdeckt – unter dem Eis eines Sees in der Antarktis. Ihr extremer Lebensraum gleicht denen auf anderen Himmelskörpern.
Leben hat es nicht leicht in der Antarktis. Monatelang fehlt das Sonnenlicht, es wehen eisige Stürme, vielerorts bleiben die Temperaturen ganzjährig unter Null. Unter einer meterdicken Eisschicht sind Wissenschaftler nun auf Mikroben gestossen, die den widrigen Bedingungen trotzen – und zwar schon seit mehr als 2800 Jahren, wie das Alter des darüber liegenden Eises verrät. Das Wasser, in dem die Mikroben leben, ist äusserst salzig, und die Temperaturen dort liegen ganzjährig niedriger als minus zwölf Grad Celsius.
Trotzdem scheint die Gemeinschaft quicklebendig: Sie gewinnt die fürs Überleben notwendige Energie vermutlich aus Wasserstoff, der sich bei chemischen Reaktionen der Salzsole mit dem umliegenden Gestein bildet, wie die Forscher um Alison Murray vom Desert Research Institute in Reno im Fachblatt „Proceedings of the National Academy of Sciences“ spekulieren.
Der Lake Vida im Osten der Antarktis ist von einer rund 20 Meter dicken Eisschicht bedeckt und befindet sich auf mehreren hundert Meter starkem Permafrostboden. Ursprünglich hatten Wissenschaftler angenommen, dass er vollständig gefroren ist. Messungen zeigten dann jedoch, dass es unter der Eisschicht flüssiges Wasser gibt, das allerdings extrem salzhaltig und mit etwa minus 13 Grad Celsius auch sehr kalt ist.
Trotz dieser widrigen Bedingungen machte der See bereits vor knapp zehn Jahren als potentieller Lebensraum für ungewöhnliche Mikroben von sich reden: Damals hatten Wissenschaftler am unteren Ende von Eisbohrkernen organische Ablagerungen entdeckt, die eingefrorene Mikroorganismen enthielten. Sie spekulierten, dass es in der darunterliegenden Sole möglicherweise sogar noch lebende Pendants dieser Mikroben geben könnte.
Diese Annahme können Murray und ihr Team nun bestätigen. Sie führten in den Jahren 2005 und 2010 weitere Bohrungen durch. Beide Male habe sich das Bohrloch kurz darauf mit einer gelblichen Sole gefüllt, die bei Kontakt mit der Luft eine braun-rote Verfärbung annahm, berichten die Forscher.
Eine genauere Analyse unter dem Mikroskop zeigte: Das salzige Wasser enthielt kugel- und stäbchenförmige Mikroorganismen in verschiedenen Grössen, die nicht selten in zusammenhängenden Paaren auftraten – ein Hinweis auf eine kürzlich erfolgte Teilung. Zudem fanden die Wissenschaftler Anzeichen für einen aktiven Stoffwechsel und eine, wenn auch langsame, Eiweissproduktion in den Zellen.
Unerwartete Vielfalt
Insgesamt gab es mindestens 32 verschiedene Bakterienvarianten, die acht unterschiedlichen Stämmen zugeordnet werden konnten, wie das Team berichtet. Einige glichen bereits bekannten Spezies, andere dagegen zeigten kaum Ähnlichkeiten zu beschriebenen Arten. In allen Stämmen seien auch zuvor schon Vertreter bekannt gewesen, die mit extremen Bedingungen zurechtkommen, sagen die Forscher. Daher liege es nahe, dass auch die jetzt entdeckten Mikroben kreative Stoffwechselwege entwickelt haben, um auch aus kargen Ressourcen Energie zu gewinnen.
Wie genau diese Stoffwechselwege aussehen, können sie zwar noch nicht sagen. Allerdings ist die Umgebung, in der die Extrembakterien leben, wohl ziemlich einzigartig: Das Wasser enthält neben den grossen Salzmengen sehr viel gelöstes Lachgas sowie andere Stickstoffverbindungen wie Ammoniak, Nitrit und Nitrat. Auch molekularer Wasserstoff ist in hohen Konzentrationen vorhanden. Ebenfalls stark vertreten sind gelöste Metalle, vor allem Eisen, und sowohl anorganische als auch organische Kohlenstoffverbindungen.
Es sei denkbar, dass die Energie für die Mikroben vor allem durch ständige Reaktionen der Sole mit dem stark eisenhaltigen Gestein des Bodens zur Verfügung gestellt wird, mutmassen die Forscher. So könnte eine Oxidation der Eisensalze, gekoppelt mit einer Reduktion von Nitrit und Nitrat, molekularen Wasserstoff erzeugen, der dann einigen dieser Organismen als Energiequelle für den Nährstoffaufbau dient.
Diese Mikroben könnten dann die Nährstoffe für Bakterien zur Verfügung stellen, die andere Stoffwechselwege verwenden, spekulieren die Wissenschaftler. Sie halten die extreme Kommune unter anderem deswegen für so interessant, weil sie in einem Lebensraum gedeiht, wie er auch auf anderen Himmelskörpern zu finden ist – dem Jupitermond Europa beispielsweise oder dem Saturnmond Enceladus.

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