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1. Januar 2000 / PolarNEWS

1910-12 DE Wilhelm Filchner

2. Deutsche Südpolar-Expedition

Die 2. Deutsche Südpolar-Expedition kam durch die private Initiative des bayerischen Offiziers und Forschungsreisenden Dr. Wilhelm Filchner  zustande.
Bereits 1908 begann Dr. Filchner mit der Planung einer Forschungsreise in das Südpolargebiet. Sein Ziel war die Erforschung des Weddell-Meeres und eine Durchquerung der Antarktis. Er wollte feststellen,  ob sich vom Weddell-Meer ein mit Eis gefüllter Meeresarm zum Ross-Meer erstreckt, der die Antarktis in zwei Landmassen teilt und damit die Ostantarktis mit dem geographischen Südpol von der kleineren Westantarktis trennt.

Zur gleichen Zeit  planten auch Robert Falcon Scott und Dr. William Bruce Antarktisexpeditionen. Dr. Filchner nahm mit beiden Forschern Kontakte auf, und so entstand unter den drei Forschern keine Konkurrenz, sondern gegenseitige wissenschaftliche Unterstützung.

Die Finanzierung der von Dr. Filchner geplanten Expedition bereitete erhebliche Schwierigkeiten, und so wurde 1910 der „Verein Deutsche Antarktische Expedition“ gegründet, dem bald namhafte Persönlichkeiten des Deutsche Reiches beitraten. Prinzregent Luitpold von Bayern übernahm das Ehrenprotektorat über die Expedition. Binnen kurzer Zeit wurden nun die finanziellen Belange geregelt, und noch im gleichen Jahr konnte ein Expeditionsschiff angeschafft werden, das den Namen „Deutschland“ erhielt.
Durch die Unterstützung der grossen Schiffahrtsgesellschaften HAPAG, Hamburg-Süd und Norddeutscher Lloyd konnte die „Deutschland“ für den Expeditionszweck preiswert umgebaut werden. Ausserdem standen kostenlosen Frachtraum und Passagen für die Reisen nach Südamerika zur Verfügung.

Ende April 1911 war der endgültige Umbau der „Deutschland“ in Hamburg abgeschlossen; sie konnte Anfang Mai nach Bremerhaven verlegt werden und die noch fehlende Ausrüstung übernehmen.
Am 3. Mai 1911 verliess die „Deutschland“ unter Kapitän Vahsel und dem wissenschaftlichen Leiter Dr. Seelheim Hamburg und am 7.5.1911 Bremerhaven. Vom 31.Mai bis zum 6. Juni hielt sich die Expedition in Ponta Delgada, Azoren. auf und erreichte am 26. Juli 1911 Pernambuco in Brasilien, wo Dr. Seelheim die Expedition verliess, um eine Studienreise durch Südamerika anzutreten.
Anfang August setzte die „Deutschland“ die Reise fort und erreichte am 7. September Buenos Aires. Kurz nach der Ankunft verliessen die Gäste der Expedition,‘ Prof. Dr. Lohmann und Prof. Dr. Ule, das Schiff. Sie hatten ihre wissenschaftlichen Arbeiten abgeschlossen. Einige Besatzungsmitglieder verliessen ebenfalls die „Deutschland“, und dafür wurden neue Leute angeheuert. Mitte September traf die „Frarn“ unter Kapitän Nilsen in Buenos Aires ein, und beide Polarschiffe lagen zufällig im gleichen Hafenbecken. Die „Frarn“ hatte Amundsen an der Küste des Ross-Meeres abgesetzt und ergänzte nun ihre Vorräte.
Dr. Filchner war mit der „Cap Ortegal“ , einem Dampfer der Hamburg-Süd, nach Buenos Aires gereist und bereits Ende August dort eingetroffen. Diese frühe Ankunft hatte er genutzt und abschliessende Vorbereitungen für den antarktischen Teil der Expeditionsreise getroffen. Hierbei wurde er von deutschen Kreisen und offiziellen argentinischen Stellen unterstützt, und so konnte die Expedition bereits Anfang Oktober zur eigentlichen Südpolar-Reise auslaufen.

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Erstes Ziel war die Walfangstation in Grytviken auf Süd-Georgien, die am 21. Oktober 1911 erreicht wurde. Auf dieser Reise nach Grytviken musste  der Schiffsarzt Dr.med. Kohl am Blinddarm operiert werden. Es war die erste Blinddarmoperation an Bord eines Schiffes in so südlichen Breiten. Die’Operation verlief gut, aber in Grytviken musste Dr. Kohl doch die Südpolar-Expedition verlassen.

Bis zum 11. Dezember 1911 blieb die „Deutsche antarktische Expedition“ in Grytviken. Während der Liegezeit wurden Forschungen auf Süd-Georgien betrieben. Für die notwendigen Reisen stellte der leiter der norwegischen Walfangstation, Kapitän C.A. Larsen, seine Dampfyacht „Undine“ zur Verfügung. Die „Deutschland“ hatte für Fahrten in den Fjorden und Küstengewässern Süd-Georgiens einen zu grossen Tiefgang.
Die „Deutschland‘.‘ unternahm in der ersten Novemberhälfte eine Forschungsreise zu den Süd-Sandwich-Inseln.
In Buenos Aires war Kapitän Alfred Kling auf die deutsche Expedition aufmerksam geworden und hatte sich ihr angeschlossen. Er übernahm den Transport der Expeditionspferde nach Grytviken und traf am 3. Dezember 1911 mit dem Dampfer „Harpune“ dort ein.

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Am 11. Dezember waren alle Expeditionsgüter an Bord der „Deutschland untergebracht, die Südreise begann. Schon nach drei Tagen wurde erstes Treibeis gesichtet, und bald befand sich die Expedition in schwerem Packeis. Ende Januar 1912 wurde Land auf 76°48’S und 30°25’W gesichtet und eine Bucht entdeckt. Sie erhielt zu Ehren des Kapitäns der „Deutschland“ den Namen „Vahselhafen“. Später wurde sie in „Herzog-Ernst-Bucht“ unbenannt. Das entdeckte Land, auf dem aber eine Landung nicht möglich war, wurde nach dem Schirmherrn der Expedition „Prinzregent Luitpoldland“ getauft. Die riesige Eisbarriere vor der Küste erhielt den Namen „Filchner-Schelfei s“. Anfang Februar begann man auf dem Eis am Rande der Vahselbucht mit dem Bau der Überwinterungsstation. Durch Eisversetzung wurde das Stationshaus aber schon nach wenigen Tagen zerstört. Ein Teil der Ausrüstung und des Materials konnte gerettet und wieder an Bord genommen werden. Die Wetterverhältnisse verschlechterten sich weiter, und die Expedition machte sich auf den Weg nach Norden.

Am 8. März versperrte jedoch festes Packeis den Weg, und die „Deutschland“ fror auf der Position 73°40’5 – 31°6’W ein und begann mit dem Eisfeld durch das Weddell-Meer zu driften. Während dieser Driftfahrt wurden viele wissenschaftliche Arbeiten durchgeführt.

Am 8. August 1912 traf die Expedition ein weiteres Unglück. Kapitän Vahsel starb an Herzschwäche, die Schiffsführung wurde vom 1. Offizier, Wilhelm Lorenzen, übernommen.
Ende September kam die „Deutschland“ in eine Norddrift. und am 26. Novenber konnte sie ihr unfreiwilliges Winterquartier mit eigener Kraft verlassen. Durch dichte Eisfelder bahnte sich das Schiff seinen Weg nach Norden und erreichte am 19.12.1912 den Hafen von Grytviken.

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In Grytviken. löste Dr. Filchner die Expedition auf und betraute Kapitän Alfred Kling mit der Schiffsführung der „Deutschland“. Dieser brachte das Schiff nach Buenos Aires. Dr. Filchner reiste von Buenos Aires an Bord des italienischen Dampfers „Principesa Marfaldau nach Genua. um in Deutschland weitere Mittel zur Fortsetzung der antarktischen Arbeiten zu beschaffen.
Kling stellte in dieser Zeit die „Deutschland“ der argentinischen Regierung zur Verfügung und erhielt den Auftrag. das Personal der argentinischen Wetterstation auf den Süd-Orkney-Inseln abzulösen.

Da Dr. Filchner in Deutschland keine Gelder zur Fortsetzung der Expedition bekam, löste sich der „Verein Deutsche Antarktische Expedition“ unter seinem Vorsitzenden Georg Schweitzer auf. Die „Deutschland“ wurde an den österreichischen Expeditionsteilnehmer Dr. Fel ix König verkauft  und Kapitän Kling brachte sie nach Pola, dem österreichischen Hafen an der Adria. Dr. König reiste nach Oesterreich und begann mit der Organisation einer österreichischen Antarktisexpedition. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges verhinderte sein Vorhaben. Das Expeditionsschiff „Deutschland“, jetzt mit Namen „Oesterreich“, wurde von der österreichischen Marine als Minensucher eingesetzt und ging in der Adria verloren.

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